Hier finden Sie uns

 

Komitee Freigericht

c/o Gemeinde Freigericht

Rathausstr. 13

63579 Freigericht

Kontakt

Schreiben Sie uns

komiteefreigericht@gmail.com

 

 

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Serge Bardy (Député Assemblée National) und Bettina Müller MdB zu Gast beim Komitee für Europäische Verständigung Freigericht

GNZ vom 25. April 2016

Bettina Müller begrüßt Serge Bardy
GNZ_25_4_2016.pdf
PDF-Dokument [1.1 MB]
Presseartikel GT vom 26.4.2016
[Untitled].pdf
PDF-Dokument [295.3 KB]

Stand 13.04.2016

 

Grußwort von Bettina Müller beim Besuch mit Serge Bardy in Freigericht

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Freundinnen und Freunde des Komitees für europäische Verständigung Freigericht,

Lieber Serge,

 

Für mich ist es eine Freude gemeinsam mit dir, Serge, als meinem Gast aus Frankreich, heute hier in Freigericht zu sein. Das Komitee für europäische Verständigung hat sich der europäischen Verständigung, dem Frieden und der Demokratie verschrieben. Seit 1971 setzt sich der Verein für ein gutes Verhältnis zwischen unseren beiden Ländern ein. Mit Erfolg!

 

Die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins organisieren Schüler- und Vereinsaustausche, Auslandspraktika, Partnerschaftsbegegnungen, veranstalten kulturelle Ausstellungen und Arbeitskreise zur europäischen Integration. Freigericht, die Partnergemeinde St. Quentin-Falavier in Frankreich und seit 2004 Gallicano nel Lazio in Italien sind Orte, an denen der europäische Gedanke lebt. Hier lebt Europa quasi von Mensch zu Mensch.

 

 

Wir, Serge und ich, stehen mit unserer Begegnung in der parlamentarischen Tradition der deutsch-französischen Freundschaft. Diese wurde nach dem zweiten Weltkrieg begonnen. 1957 wurden die ersten Parlamentariergruppen des Deutschen Bundestages gegründet, darunter die deutsch-französische.

 

Eine Initiative dieser Parlamentariergruppe ist das Austauschprogramm für Abgeordnete des Deutschen Bundestages und der Assemblée Nationale. Mit diesem Hospitantenprogramm war ich im Herbst 2014 in Frankreich. Hierbei habe ich viel über die französische Politik und die parlamentarische Arbeit gelernt. Der Besuch im schönen Wahlkreis von Serge, Maine-et-Loire, war für mich eine Bereicherung.

 

Jetzt endlich besuchen die französischen Kolleginnen und Kollegen uns, endlich habe ich die Gelegenheit Serge Bardy meinen Wahlkreis vorzustellen. Leider wird der Besuch der französischen Abgeordneten hier in Deutschland überschattet vom Terror. Wegen der Attentate von Paris musste der geplante Gegenbesuch im vergangenen November kurzfristig verschoben werden. Der Besuch jetzt wird von einem weiteren feigen Attentat des Islamischen Staates überschattet: den Anschlägen von Brüssel.

 

Umso dringlicher wird der Zweck unseres Austausches: nämlich unsere Verbundenheit mit unseren französischen Nachbarn zu stärken. Seit jeher bildet die deutsch-französische Partnerschaft das Rückgrat Europas.

 

Das beiderseitige Interesse an Frieden und an der europäischen Einigung nach zwei Weltkriegen bildet die Basis, auf der Frankreich und Deutschland immer auch in schwierigen Fragen zusammengefunden haben.

 

Die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland gilt weltweit als Modell. Dabei wird oft eines oft übersehen. Nämlich dass es sich um eine erarbeitete Beziehung zwischen zwei sehr unterschiedlichen Partnern handelt. Deutsche und Franzosen haben sich bis nach dem zweiten Weltkrieg als Erzfeinde betrachtet.

 

Wichtiger denn je ist es heute, dass wir uns über die Probleme und Herausforderungen, vor denen Europa momentan steht, austauschen. Denn Europa droht auseinanderzubrechen. Weil überall der staatliche Egoismus dominiert. Der Bestand des Euro ist nicht gesichert. Und es gibt immer noch keine Antwort auf die Situation der Flüchtenden, die hier bei uns in Europa Schutz suchen. Rechts- und Linkspopulisten verbreiten die Illusion, dass wir unsere Probleme durch Rückzug auf die nationale Identität und auf die Schließung von Grenzen lösen können. Selbst ein Erfolgsland wie Polen wird von einer Regierung geführt, die den europäischen Kurs infrage stellt. Wenn das so weitergeht, sind am Ende alle Verlierer.

Ein Europa, das in Ländern wie Frankreich oder Italien über Jahre hinweg eine Jugendarbeitslosigkeit jenseits der 25 Prozent zulässt, kann diesen Menschen gegenüber nicht glaubwürdig vertreten, dass ihre Zukunft in Europa liegt. Wenn die Frustration über fehlende Perspektiven zum Massenphänomen wird, kann das dazu führen, dass sich ganze Gruppen von der Demokratie und Europa abwenden. Deshalb muss Deutschland noch in weit stärkerem Maße eine Politik unterstützen, die in der EU die soziale Spaltung überwindet und Arbeitsplätze für junge Menschen schafft. Auch wenn das Geld kostet. Die Attentäter von Paris und Brüssel sind hier bei uns in Europa groß geworden. Das sollte uns zu denken geben.

 

Für ein starkes Europa, demokratisches und freiheitlich-friedliches Europa müssen sich Frankreich und Deutschland gemeinsam einsetzen. Unsere Basis ist solide.

 

Beide Länder sehen sich als jeweils engste Partner. Die Sympathiewerte für das Partnerland sind in Frankreich und in Deutschland hoch. Wir sind füreinander wichtige Handelspartner – auch wenn nun erstmals die USA Frankreich als wichtigstes Abnehmerland deutscher Waren abgelöst hat. Airbus und EADS sind ein Paradebeispiel erfolgreicher Wirtschaftskooperation. Kulturelles Aushängeschild ist der gemeinsame TV-Sender ARTE. Es gibt 4.300 Schulpartnerschaften. Und das zivilgesellschaftliche Netzwerk ist sehr dicht mit etwa 300 deutsch-französische Vereinigungen und über 2200 Regional- und Städtepartnerschaften. 

 

Dies ist ein Ausschnitt aus der Erfolgsbilanz der Kooperation und Freundschaft zweier Länder – hundert Jahre nach der erbittert geführten Schlacht von Verdun. Damals standen sich die Nationen im ersten Weltkrieg in erbitterter Feindschaft gegenüber, die in der Schlacht um Verdun gipfelte. Verloren haben hierbei beide Länder. Hunderttausende Tote auf beiden Seiten. Eine gelungene Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, die ich in Serges Wahlkreis besucht habe, hat mir eines eindrücklich vor Augen geführt: Dass das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen von Hass und erbitterter Abneigung geprägt war.

 

Ich freue mich daher über die vielen Engagierten, die heute die deutsch-französische Freundschaft lebendig halten und danke dem Komitee für europäische Verständigung für seine Arbeit. Schließlich sind es die Begegnungen zwischen den Menschen, die den Zusammenhalt in Europa prägen. Oder um es mit dem großen europäischen Sozialisten Jaques Delors zu sagen „Niemand verliebt sich in einen Binnenmarkt.“

Vielen Dank!

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Komitee für Europäische Verständigung Freigericht e.V.